Haas, Wolf – Junger Mann

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    Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
    Verlag: HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH (15. September 2018)
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 3455003885
    ISBN-13: 978-3455003888

Kurzbeschreibung:
„Rückwärts durch die Beine betrachtet ist die Welt immer am interessantesten.“ Dieses Lebensmotto beschert dem jungen Mann von Kindesbeinen an viele Probleme. Probleme in Form von Unfällen. Das Gute an Unfällen: Trostschokolade. Das Schlechte an zu viel Schokolade: Übergewicht.
Mit 13 beschließt er, den Blick doch noch nach vorne zu richten und macht eine interessante Entdeckung. Diese Blickrichtung bringt noch mehr Probleme. Probleme in Form von Sich-um-den-Verstand-verlieben, wenn einen unvorbereitet ein zauberhaftes Lächeln trifft.
Das Gute am Verlieben: Die Elsa. Das Problem am Verlieben: Ihr Ehemann. Der Lastwagenfahrer Tscho.
Der junge Mann beschließt, alle Probleme auf einmal zu lösen. Er startet eine radikale Abmagerungskur und eine Besuchsoffensive bei der zehn Jahre älteren Elsa. Mit jedem Kilo, das er abnimmt, sieht er seine Chancen bei ihr steigen. Als sie mit ihm auch noch eine Spazierfahrt in ihrem neuen Renault 5 unternimmt, heizt das seinen Kalorienverbrauch weiter an. Und der Ferienjob auf der Tankstelle hat den großen Vorteil, dass er immer genau weiß, wann Elsas Mann gerade nach Griechenland oder in ein noch ferneres Land aufgebrochen ist.
Eines Tages taucht der gefürchtete Lastwagenfahrer aber doch überraschend zwischen Diesel-Zapfsäule und Tankstellenshop auf und macht dem jungen Mann ein Angebot, das er nicht ablehnen kann.

Wolf Haas ist einer jener Schriftsteller, bei deren Erscheinen eines Buches ich sofort in die Buchhandlung renne und es kaufe. Ich glaube, Wolf Haas liebt oder hasst man. Entweder man ist völlig hin und weg von seinen Büchern oder man schafft es nicht mal, zwei Seiten zu lesen.

Nicht immer war ich nach der Lektüre der jeweiligen Bücher sehr glücklich, aber meistens. Die Brenner-Reihe ist sowieso ein Qualitätsgarant, und alles andere ist (auch) immer, immer, immer außergewöhnlich in Story und Stil, gewöhnungsbedürftig und auch mitunter etwas befremdlich. Viele seiner Bücher brauchen auch etwas Zeit, damit sich ihre Genialität zeigt.

Bei „Junger Mann“ war das anders. Es ist schon irgendwie ein typischer Wolf Haas (gibt es das?) und gleichzeitig ganz anders als seine übrigen Werke. Von der ersten Zeile an war ich begeistert.

Die Unsicherheit des Jungen, die Schüchternheit Elsas gegenüber, aber auch die Entwicklung seines Selbstbewusstseins. Immer selbstsicherer tritt er ihr gegenüber auf.

Elsas Mann Tscho wirkt auf den ersten Blick unsympathisch, proletenhaft und dumm. Bei näherer Betrachtung und bei näherem Kennenlernen erkennt man sein eigentlich doch nettes Wesen und er gewinnt unsere endgültige Sympathie, als er sein tiefstes Geheimnis offenbart. Genau genommen sind es zwei Geheimnisse, die ihn belasten und beide möchte er dem „jungen Mann“ anvertrauen. Er nimmt ihn mit auf eine abenteuerliche Reise, die die beiden zusammenführt und beide wachsen an der Entwicklung ihrer … Freundschaft wäre vielleicht zu viel gesagt … ihrer zwischenmenschlichen Beziehung. Des größer werdenden gegenseitigen Respekts. Des Herannahen fast auf Augenhöhe.

Der „junge Mann“ wird nämlich gezwungen, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und Größe zu zeigen. Und das tut er.

Der Einfluss, den er auf Tscho und Elsa hat, wird erst Jahre später offenbar und bringt die gemeinsame Geschichte der drei zu einem perfekten Ende.

Es ist eine große Geschichte, die Wolf Haas auf kompakten 240 Seiten mit keinem Wort zu viel und keinem zu wenig schafft.

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Kerkeling, Hape – Der Junge muss an die frische Luft

Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch (4. Oktober 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492320007
ISBN-13: 978-3492320009

    Mit »Ich bin dann mal weg« hat er Millionen Leser inspiriert, persönliche Grenzen zu überschreiten. In diesem Buch nun spricht Hape Kerkeling über seine Kindheit; entwaffnend ehrlich, mit großem Humor und Ernsthaftigkeit. Über die frühen Jahre im Ruhrgebiet, Bonanza-Spiele, Gurkenschnittchen und den ersten Farbfernseher; das Auf und Ab einer dreißigjährigen, turbulenten Karriere – und darüber, warum es manchmal ein Glück ist, sich hinter Schnauzbart und Herrenhandtasche verstecken zu können. Über berührende Begegnungen und Verluste, Lebensmut und die Energie, immer wieder aufzustehen.

Vorweg: Ich finde, man muss Hape Kerkeling als Komiker nicht mal besonders mögen, um seine Bücher zu lieben. Ich glaube, dass man den Autor mit dem Komiker nicht vergleichen kann, denn seine Biographie ist zwar durchaus humorig und ein bisschen selbstironisch, aber dennoch auch sehr ernst und nachdenklich.

„Ich bin dann mal weg“ hat mich schon umgehauen und zu diesem Buch kann ich nur sagen: Mein Lesejahr 2017 endete standesgemäß mit einem Feuerwerk! Großartig, emotional, ehrlich, rührend, lustig, unfassbar traurig, klug.

Hape Kerkelings Schreibstil ist sehr unterhaltsam, kurzweilig und auf sehr, sehr hohem Niveau. Er entführt uns in seine Kindheit im Ruhrgebiet. Die Zeit, die er bei seinen Großeltern verbracht hat, die Krankheiten seiner Mutter, die Abwesenheit des Vaters, die Freundschaft mit den Nachbarkindern…

Ich meine, wie viele Bücher lesen wir im Laufe eines Jahres… eines Lebens!…, bei denen uns die Luft wegbleibt, die wir zwischendurch kurz weglegen, um mal durchzuatmen?

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Bánk, Zsuzsa – Die hellen Tage

Helle Tage

    Taschenbuch: 544 Seiten
    Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 16 (21. Juni 2012)
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 3596184371
    ISBN-13: 978-3596184378

Kurzbeschreibung:
In einer süddeutschen Kleinstadt erlebt das Mädchen Seri helle Tage der Kindheit: Tage, die sie im Garten ihrer Freundin Aja verbringt, die aus einer ungarischen Artistenfamilie stammt und mit ihrer Mutter in einer Baracke am Stadtrand wohnt.
Aber schon die scheinbar heile Welt ihrer Kindheit in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts hat einen unsichtbaren Sprung: Seris Vater starb kurz nach ihrer Geburt, und Ajas Vater, der als Trapezkünstler in einem Zirkus arbeitet, kommt nur einmal im Jahr zu Besuch. Karl, der gemeinsame Freund der Mädchen, hat seinen jüngeren Bruder verloren, der an einem hellblauen Frühlingstag in ein fremdes Auto gestiegen und nie wieder gekommen ist.
Es sind die Mütter, die Karl und die Mädchen durch die Strömungen und Untiefen ihrer Kindheit lotsen und die ihnen beibringen, keine Angst vor dem Leben haben zu müssen und sich in seine Mitte zu begeben.
Zsuzsa Bánk erzählt die Geschichte dreier Familien und begleitet ihre jungen Helden durch ein halbes Leben: Als Seri, Karl und Aja zum Studium nach Rom gehen, wird die Stadt zum Wendepunkt ihrer Biographien – und zur Zerreißprobe für eine Freundschaft zwischen Liebe und Verrat, Schuld und Vergebung.

Nach ihrem hochgelobten Debütroman »Der Schwimmer« schreibt Zsuzsa Bánk die bewegende Geschichte dreier Kinder, die den Weg ins Leben finden. »Die hellen Tage« ist ein großes Buch über Freundschaft und Verrat, Liebe und Lüge – über eine Vergangenheit, die erst allmählich ihre Geheimnisse enthüllt, und die Sekunden, die unser Leben für immer verändern.

Zum Inhalt gibt es nicht mehr viel hinzuzufügen. Wir lernen die drei Kinder und in erster Linie deren Mütter kennen. Die Väter spielen nur eine Nebenrolle und kommen insgesamt nicht besonders gut weg. Wir verbringen mit ihnen ein paar schöne, unbeschwerte Jahre im Garten von Évi, wir reisen mit ihnen nach Rom, wo plötzlich nicht mehr alles so unbeschwert ist und wir kehren mit ihnen in ihr Heimatstädtchen zurück.

Die Geschichte ist warmherzig, schön, gefühlvoll; die ganze Stimmung des Buches ein bisschen melancholisch. Ich glaube, „Die hellen Tage“ ist ein Buch, das stark polarisiert. Entweder man liebt es oder man hasst es. Ich gehöre eindeutig zur ersteren Gruppe! Mir hat es unglaublich gut gefallen.

Die Charaktere, der Aufbau, die Entwicklung … alles erinnert sehr an John Irving, und das liegt nicht nur an dem Standardsatz, den Seri, Aja und Karl in ihren Briefen, die sie sich gegenseitig schreiben, immer als Abschluß schreiben, und der da lautet „Bleib weg von offenen Fenstern!“. Jedem Irving-Fan fällt sofort „Hotel New Hampshire“ ein und es hat sich mir nicht ganz erschlossen, was dieser Satz in „Die hellen Tage“ verloren hat, außer, dass die Autorin ihrem Kollegen Tribut zollen wollte.

Bestimmte Ereignisse werden immer und immer wieder wiederholt. Dass Aja mit dem Rad in einen Teich fällt; dass Zigi jedes Jahr wieder mit seinem schwarzen Koffer in den Bus steigt und sich verabschiedet; dass Karls Bruder eines Tages in ein fremdes Auto gestiegen und nicht mehr wiedergekommen ist … Ich emfpand diese Wiederholungen als sehr angenehm. Es war für mich, als wären es meine eigenen Erinnerungen, als hätte ich alles selbst erlebt.

Ich war ein bisschen traurig, als ich mich letztendlich von Aja, Évi, Karl & Co verabschieden musste und bin es noch, wenn ich an das Buch denke.

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Hipfinger, Sonja und Robert – Lies das Buch!

Taschenbuch: 172 Seiten
Verlag: Berger & Söhne, Ferdinand (16. Juni 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3850288064
ISBN-13: 978-3850288064

Kurzbeschreibung: Veganer sind extrem. Sie widersprechen dem “was immer schon” war. Mit Veganern kann man nichts anfangen, sie wollen immer nur belehren und man könnte sogar meinen, so ganz „normal“ ist diese Sache mit dem Veganismus nicht.
Ist das so? Was bringt Menschen dazu sich rein pflanzlich zu ernähren? Warum? Wie geht es diesen Menschen damit und wie reagiert die Umgebung, die Freunde, die Familie – und .. kann das überhaupt gesund sein?
Sonja und Robert Hipfinger haben sich damit auseinander gesetzt und sie erzählen, jeder auf seine Art und Weise, wie -es- sich anfühlt, vegan zu leben.

Vorweg: Ich hatte und habe nicht die Absicht, meine Ernährung umzustellen. Zwar war der Grad zwischen Fleischkonsum und Vegetarismus bei mir immer schon sehr dünn, aber so ganz ohne kann ich mir halt doch nicht vorstellen. Und über vegan habe ich noch nicht mal ernsthaft nachgedacht. … Bis jetzt. Ich ziehe es noch immer nicht in Erwägung, aber ich habe darüber nachgedacht.

Trotzdem interessiert mich das Thema und die Beweggründe, die jemanden dazu bringen, sich rein pflanzlich zu ernähren. Und ich habe das Buch von Sonja und Robert Hipfinger, einem offenbar sehr sympathischen Ehepaar aus Wien, mit großen Vergnügen und Interesse gelesen.

Das Buch ist zweigeteilt. Eine Seite stammt von Sonja Hipfinger: Sie geht das Thema mit Leichtigkeit, Schwung und Humor an, schafft es aber trotzdem, den Leser zum Nachdenken anzuregen. Wendet man das Buch, bekommt man die Geschichte von Robert Hipfinger, der das Thema ernsthafter und – wie mir schien – ein bisschen mit erhobenen Zeigefinger behandelt. Was ich jetzt gar nicht unbedingt negativ meine, er ist nicht oberlehrerhaft, aber eindringlicher, ernsthafter als seine Frau.

Gut zu lesen sind beide Teile. Sie erzählen aus der jeweiligen Sicht, wie es zu der Entscheidung kam, plötzlich von einem Tag auf den anderen keine Tiere und keine tierischen Produkte mehr zu essen, wie die Umgebung darauf reagiert hat und wie sie das Leben (inkl. Urlaub) seitdem gestalten.

Sorry, Familie Hipfinger, meine Scheuklappen (wie ihr sie nennt) sitzen einfach zu gut, aber ich denke, ich werde den Konsum tierischer Produkte (weiter) einschränken. Das immerhin habt ihr geschafft. Was mir sehr gut gefallen hat, war, dass Robert schreibt: Jede Mahlzeit zählt. Also nicht, werft – wie wir – euer komplettes Leben übern Haufen, es reicht schon, ab und zu … und es wird automatisch mehr werden. Schau ma mal, wie der Wiener zu sagen pflegt.  😉

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Niven, Jennifer – All die verdammt perfekten Tage

 

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Broschiert: 400 Seiten
Verlag: Limes Verlag (28. Dezember 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3809026573
ISBN-13: 978-3809026570

Kurzbeschreibung:
Ist heute ein guter Tag zum Sterben?, fragt sich Finch, sechs Stockwerke über dem Abgrund auf einem Glockenturm, als er plötzlich bemerkt, dass er nicht allein ist. Neben ihm steht Violet, die offenbar über dasselbe nachdenkt wie er. Von da an beginnt für die beiden eine Reise, auf der sie wunderschöne wie traurige Dinge erleben und großartige sowie kleine Augenblicke – das Leben eben. So passiert es auch, dass Finch bei Violet er selbst sein kann – ein verwegener, witziger und lebenslustiger Typ, nicht der Freak, für den alle ihn halten. Und es ist Finch, der Violet dazu bringt, jeden einzelnen Moment zu genießen. Aber während Violet anfängt, das Leben wieder für sich zu entdecken, beginnt Finchs Welt allmählich zu schwinden…

Gleich zu Beginn ist man mitten in der Geschichte, respektive am Glockenturm jener Schule, die Violet, Finch und viele andere Jugendliche, die wir im Laufe der Geschichte kennen lernen, besuchen.

Ein sensibles Thema: Depressionen bei Jugendlichen, mit dem die Autorin ganz offensichtlich Erfahrung hat.

Sie zeigt uns, wie sehr ein Ereignis, der Verlust eines geliebten Menschen uns verändert. Violet, die ihre große Schwester bei einem Autounfall verloren hat, kommt mit dem Verlust nicht klar, aber andererseits auch nicht mit dem Druck, die Schwester bei ihren Eltern „ersetzen“ zu müssen. Immer darauf bedacht, ihnen nicht noch weiteren Kummer zu bescheren, keine Gefahren einzugehen, damit nur ja nicht auch ihr noch etwas passieren kann. Und trotzdem (oder deshalb) steht sie an diesem Morgen auf dem Glockenturm…

Und dann ist da Theodor Finch, ein kluger, kreativer, sympathischer Junge, der von seinen Mitschülern gemobbt und nur „Freak“ genannt wird. Auch er steht an diesem Tag auf dem Turm. Mit dem Vorsatz, zu springen? Wirklich? Ist es Violet, die ihn unabsichtlich davon abhält, indem sie ihn quasi dazu zwingt, sie zu retten?

Er tut es jedenfalls und die beiden freunden sich an. Verlieben sich. Verbringen eine wundervolle, aber auch sehr schwierige Zeit zusammen, besuchen im Rahmen eines Schulprojekts viele interessante Orte in ihrer Umgebung. Finch nennt Violet „Ultraviolet“ oder „ultraviolettes Licht“, was wohl sehr gut ausdrückt, was sie für ihn ist.

Und als Finch verschwindet, ahnt Violet, was passiert ist, ahnt, wo sie ihn findet und folgt seinen Hinweisen, die sie auf eine weitere Reise zu besonderen Orten führen, um das Projekt abzuschließen.

Jennifer Niven lässt uns die vorschnelle Meinung, Selbstmörder seien egoistisch, überdenken.  Sie lässt uns traurig und nachdenklich zurück.

Ein wundervoll sensibles, stimmungsvolles Buch, das ich trotz des traurigen Themas sehr genossen habe. Großartig geschrieben, tolle Charaktere, nette Geschichte.

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Irving, John – Straße der Wunder

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Gebundene Ausgabe: 784 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (23. März 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257069669
ISBN-13: 978-3257069662

Kurzbeschreibung:
Juan Diego und seine für alle anderen unverständlich sprechende Schwester Lupe sind Müllkippenkinder in Mexiko. Ihre einzige Überlebenschance: der Glaube an die eigenen Wunderkräfte. Denn Juan Diego kann fliegen und Geschichten erfinden, Lupe sogar die Zukunft voraussagen, insbesondere die ihres Bruders. Um ihn zu retten, riskiert sie alles. Verführerisch bunt, magisch und spannend erzählt: zwei junge Migranten auf der Suche nach einer Heimat in der Fremde und in der Literatur.

Ungeduldig und nach „In einer Person“ auch ein bisschen angstvoll erwartet war er, der neue Irving und glücklicherweise kann man sagen: Nach dem letzten Werk gibt es einen Aufstieg zu vermelden.  Auch wenn er mit seinem neuen Buch an seine Meisterwerke wie „Gottes Werk und Teufels Beitrag“, „Garp und wie er die Welt sah“ und – vor allem – „Owen Meany“ bei weitem nicht herankommt, kann man „Straße der Wunder“ durchaus lesen.

Sie sind alle wieder dabei: Starke Frauen, eine davon mit Penis, schwache Männer, groteske Unfälle, skurrile Wunder…

Juan Diego und seine Schwester Lupe, die so undeutlich spricht, dass nur ihr Bruder sie verstehen kann, wachsen gemeinsam auf einer Müllkippe in Mexiko auf. Lupe kann Gedanken lesen und – mehr schlecht als recht – die Zukunft voraussagen. Obwohl Lupe die Jüngere ist, ist sie es, die auf ihren Bruder aufpasst, die reifer ist, die logischer und pragmatischer denkt; ja letztendlich ist sie es, die entscheidet. Und um ihren Bruder zu retten , riskiert sie selbst ihr Leben.

Jahre später tritt Juan Diego – inzwischen ein recht erfolgreicher Schriftsteller – eine Reise in die Philippinen an.

Im weiteren Verlauf switcht die Geschichte zwischen 1970, als Juan Diego 14 Jahre alt war und 2010, als er die Reise macht. Durch den unregelmäßigen Verzehr seiner verschiedenen Medikamente träumt sich Juan Diego in den unmöglichsten Situationen einfach weg und gewährt uns einen Blick in seine Vergangenheit.

Bemerkenswert ist diesmal die offene Kirchenkritik, die John Irving mehr als nur durchklingen lässt. Juan Diego und sein Adoptivvater, sowie zwei ältere Priester, die ihn auf seinem Lebensweg immer wieder begleiten, liefern sich harte Diskussionen zu diesem Thema und die katholische Kirche kommt dabei gar nicht gut weg.

Alles in allem ein recht ordentlicher Roman, aber wohl eher was für eingefleischte John Irving-Fans.

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Poznanski, Ursula – Die Vernichteten

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    Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
    Verlag: Loewe; Auflage: 2 (21. Juli 2014)
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 3785575483
    ISBN-13: 978-3785575482

Kurzbeschreibung
Das grandiose Finale einer außergewöhnlichen Thriller-Trilogie – ein meisterhaftes Verwirrspiel. Nun kennt Ria das schreckliche Geheimnis, den Grund dafür, dass der Sphärenbund sie töten wollte. Trotz widriger Umstände macht sie sich auf den Weg, um die drohende Katastrophe zu verhindern und das Leben von Clans und Sphärenbewohnern zu schützen. Doch dann offenbart sich ihr etwas, womit sie nicht gerechnet hat. Etwas von solcher Grausamkeit, dass es fast unvorstellbar scheint. Etwas, das alles, was sie bisher an Verschwörungen aufgedeckt hat, bei Weitem übertrifft.

Zurückgekehrt in die Stadt unter der Stadt macht Ria weitere Entdeckungen, erfährt, warum Sandor sich von ihr abgewandt hat und macht sich mit einer Gruppe Clanmitglieder auf den Weg um die Sphäre Vienna 2 zu beobachten und das Schlimmste zu verhindern.

Rias Welt zerfällt immer mehr; immer mehr Personen und Fakten aus ihrem alten Leben offenbaren sich als völlig anders als gedacht. Was sie erfährt, ist grausamer als sie es sich jemals hätte träumen lassen, denn ihr ganzes Weltbild wird auf den Kopf gestellt. Sie sieht sich gezwungen, alles, woran sie jemals geglaubt hat, infrage zu stellen. Sie weiß nicht mehr, wem sie trauen kann, wer ist Freund, wer ist Feind und setzt mehrmals ihr Leben aufs Spiel um die Machenschaften ihrer mächtigen Gegner aufzuklären und aufzuhalten.

Die Geschichte endet in einem unglaublich rasanten, spannenden Showdown, bei dem nichts zu viel und nichts zu wenig ist. Alle Fragen werden beantwortet, alle Fäden miteinander verbunden. Eine großartige Trilogie in gewohnt grandioser Poznanski-Qualität.

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